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Dialogic führte kürzlich eine Untersuchung zu Algorithmen und KI in Gemeinden durch. Was war genau die Fragestellung?
Gemeinden erkunden zunehmend, wie sie Algorithmen und KI einsetzen können, um Probleme schneller und besser zu analysieren und um gezieltere Entscheidungen zu treffen. Doch ihr Einsatz kann auch Auswirkungen auf Bürger und Unternehmen haben. Die Zunahme der Anwendung von Algorithmen und KI wirft auch bei der Rechnungskammer Fragen darüber auf, wie die Gemeinde mit Algorithmen und KI umgeht. Deshalb haben wir untersucht, wo Algorithmen und KI bereits eingesetzt werden, welche Risiken damit verbunden sind und wie sich Gemeinden organisatorisch und verwaltungstechnisch auf eine verantwortungsvolle Nutzung vorbereiten.
Wo siehst du die größte Herausforderung für Gemeinden?
Die größte Herausforderung liegt nicht primär in der Technologie, sondern in der Organisation drumherum. Wer übernimmt die Verantwortung? Welches Wissen wird benötigt? Wie werden Vereinbarungen über eine verantwortungsvolle Nutzung getroffen? Und vielleicht noch wichtiger: Wie kann verhindert werden, dass KI zu etwas wird, das nur von einigen enthusiastischen Treibern vorangetrieben wird, und wie gewährleistet man, dass die Organisation ausreichend Kontrolle behält?
Eine wichtige Entwicklung ist die zunehmende Verwendung von KI in Gemeinden. Vor allem generative KI erhält viel Aufmerksamkeit, z.B. mit Systemen wie ChatGPT und Microsoft Copilot. In der Praxis sieht man oft begeisterte Treiber, die vieles in Bewegung setzen, neben Teams, die lieber so arbeiten bleiben, wie sie es gewohnt sind. Dies macht die Organisation verwundbar, wenn Wissen und Verantwortung zu sehr bei einzelnen Personen liegen. Daher ist eine zentrale Steuerung erforderlich, damit eine verantwortungsvolle Nutzung nicht von zufälligen Initiativen abhängt, sondern breiter verankert wird.
Was bedeutet das konkret für eine Gemeinde, die sich mit der KI-Reife auseinandersetzen möchte?
Die verantwortungsvolle Nutzung von Algorithmen und KI beginnt damit, zu wissen, was passiert, zu bestimmen, in welche Richtung man gehen möchte, und sicherzustellen, dass Mitarbeiter, Prozesse und Systeme darauf ausgerichtet sind.
- Beim Wissen geht es um einen Überblick: Welche Algorithmen und KI-Anwendungen werden bereits verwendet und wie sind die Verantwortlichkeiten verteilt?
- Dann kommt das Wollen: Wofür möchten Sie KI als Gemeinde einsetzen, wofür nicht und unter welchen Bedingungen? Dies erfordert klare Richtlinien und deutliche Entscheidungen.
- Können betrifft dann die praktische Umsetzbarkeit: Sind die richtigen Personen, das Wissen, die Prozesse und Vereinbarungen vorhanden, um dies tatsächlich zu organisieren.
Diese dreifache Herangehensweise – Wissen, Wollen und Können – hilft Gemeinden den Schritt von isolierten Initiativen hin zu bewusstem und steuerbarem Einsatz von Algorithmen und KI zu machen.
Was ist dir persönlich am meisten in der Untersuchung aufgefallen?
Was mir besonders aufgefallen ist, ist dass Gemeinden oft bereits mehr mit Algorithmen machen, als sie ursprünglich selbst denken. Im Zusammenhang mit KI denken Menschen schnell an generative KI wie Copilot oder ChatGPT, zum Beispiel für das Schreiben, Zusammenfassen oder Analysieren von Texten. Bei der Erstellung von KI-Richtlinien wird darauf meist besonders fokussiert. Aber regelbasierte Algorithmen sind genauso wichtig. Diese sind oft schon länger Teil gemeindlicher Prozesse und können große Auswirkungen auf Bürger haben. Dabei besteht das Risiko eines begrenzten Überblicks über die Verwendung dieser Entscheidungsregeln. Gleichzeitig habe ich viel positive Energie in den Gemeinden gesehen. Gemeinden wollen lernen, experimentieren und klare Rahmenbedingungen schaffen.
Was können Gemeinden voneinander lernen?
Gemeinden können viel voneinander lernen, gerade weil sie mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Selbst eine Gemeinde, die noch wenig mit Algorithmen arbeitet, wird über Gemeinschaftsregelungen und Lieferanten mit Algorithmen konfrontiert. Daher ist 'Nichtstun' eigentlich keine neutrale Wahl. Für den Einsatz von (neuen) Algorithmen und das Sammeln bewährter Verfahren können Gemeinden sich bei anderen Gemeinden inspirieren lassen. So bleiben sie auf dem neuesten Stand der Entwicklungen. Größere Gemeinden haben jedoch mehr Ressourcen. Kleinere Gemeinden können sich dabei als 'clevere Follower' positionieren.
Was bedeutet dies für die nächsten Jahre?
Für die nächsten Jahre bedeutet dies, dass Gemeinden KI immer weniger als Experiment behandeln können und KI immer mehr als feste Größe in ihrer Organisation etablieren müssen. Die Frage verschiebt sich von "Was ist mit KI alles möglich?" zu "Wie stellen wir eine verantwortungsvolle Nutzung und zentrale Steuerung sicher?". Dabei bleibt der Kern gleich: Die Ambition für verantwortungsvollen KI-Einsatz muss im täglichen Geschäft der gesamten Organisation verankert werden.

