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Timon, um zu beginnen: Was verstehen wir unter Wissenssicherheit?
Im Kern geht es darum, zu verhindern, dass Wissen, das in den Niederlanden entwickelt wird, letztendlich unsere Sicherheit beeinträchtigt.
Dies kann auf verschiedene Arten geschehen, die durch eine gute Politik zur Wissenssicherheit vermieden werden sollen. Ein Beispiel ist unerwünschter Wissenstransfer. Genau wie ein innovatives Unternehmen seine Patente schützt, sorgt die Wissenschaft dafür, dass ihr sensibelstes Wissen nicht unbeabsichtigt in die falschen Hände gerät oder von anderen Ländern beispielsweise für militärische Zwecke missbraucht wird. Eine andere Art ist die heimliche Beeinflussung. Dies betrifft staatliche Akteure, die Wissenschaftler in den Niederlanden beeinflussen und unter Druck setzen, sodass sie ihre Forschung nicht frei betreiben können.
Wenn die niederländische Wissenschaft hier zu naiv ist, besteht beispielsweise das Risiko, dass anderswo auf der Welt Menschen mit Wissen unterdrückt oder geschädigt werden, das in den Niederlanden entwickelt wurde. Beispielsweise die Gesichtserkennungssoftware, die entwickelt wurde, um Kriminelle aufzuspüren, aber anderswo verwendet wird, um Dissidenten eines ausländischen Regimes aufzuspüren und damit die Demokratie zu unterdrücken.
In den letzten Jahren scheint das Thema Wissenssicherheit schnell auf die Agenda gerückt zu sein. Woher kommt das?
Das hängt alles mit der Welt um uns herum zusammen. Durch die erhöhten geopolitischen Spannungen hat sich der Blick auf die Wissenschaft verändert. Regierungen und Institutionen erkennen nun, dass Wissen und Technologie (denken Sie an KI, Chips oder Biotechnologie) auch strategische Machtmittel sind. Die große Frage lautet: Wie bleibt man ein offenes, internationales Wissensland, ohne dabei naiv gegenüber den Risiken zu sein? Diese Dringlichkeit wird jetzt überall gespürt.
Wie siehst du das?
Ich sehe vor allem, wie schnell es gegangen ist. Während die Wissenssicherheit für viele Einrichtungen zuvor etwas Neues oder sogar Abstraktes war, haben mittlerweile praktisch alle Einrichtungen ihre Angelegenheiten mit eigenen Richtlinien und Prozessen geregelt. Es gibt zwar Einrichtungen ohne Richtlinien, aber diese haben bewusst die Entscheidung getroffen, keine Richtlinien zu benötigen, weil sie beispielsweise kaum internationale Zusammenarbeit betreiben.
Dies hat sich deutlich bemerkbar gemacht: Einrichtungen erkennen Risiken besser und sind besser in der Lage, diese zu begrenzen. In dieser Hinsicht ist die Wissenssicherheit in kurzer Zeit erwachsen geworden. Vor einigen Jahren betrachteten Einrichtungen und Wissenschaftler die Wissenssicherheit als eine Bedrohung für die offene Wissenschaft. Nun sehen wir eine Wende: Die Wissenssicherheit wird immer öfter als eine Voraussetzung betrachtet, um die offene Wissenschaft zu schützen. Das ist eine ziemlich große Veränderung.
Wie hat die staatliche Politik dabei geholfen?
In der Anfangsphase war die Rolle des Staates wirklich entscheidend. Es wurde bewusst ein Modell gewählt, das auf Bewusstseinsbildung und die Eigenverantwortung der Einrichtungen setzt. Das Loket Kennisveiligheid hat dabei gut funktioniert: Durch Bereitstellung von Informationen, Beantwortung von Fragen und Zusammenführung der Einrichtungen in einer learning community wurde die Wissenssicherheit nicht nur breiter bekannt, sondern auch inhaltlich vertieft in der Branche.
Gleichzeitig sehen wir, dass dieser Erfolg bis 2026 zu einer neuen Situation geführt hat: Die Einrichtungen sind selbstständiger geworden und haben nun andere Bedürfnisse hinsichtlich Unterstützung.
Was ändert sich dann in diesen Bedürfnissen?
Einrichtungen suchen weniger nach allgemeinen Informationen und vielmehr nach spezialisierter Expertise, die sie selbst nicht besitzen. Einrichtungen suchen einen Gesprächspartner, der ihnen beispielsweise bei der Bestimmung, ob eine Technologie unter komplexe Gesetze fällt oder ob es in einer spezifischen Zusammenarbeit Risiken gibt, helfen kann.
Das Loket Kennisveiligheid könnte dieser Gesprächspartner sein, jedoch sind dafür mehr Ressourcen, Wissen und Befugnisse erforderlich als es derzeit hat.
Mit welchen Herausforderungen sind Einrichtungen in der Praxis heute hauptsächlich konfrontiert?
Ich sehe drei wiederkehrende Dilemmata:
- Offen oder geschlossen? Das Gleichgewicht zwischen offener Wissenschaft und dem Schutz sensibler Forschung. Das Motto "offen wo möglich, geschlossen wenn nötig" ist immer noch aktuell, aber in der Praxis manchmal schwer zu bestimmen.
- Maßgeschneidert oder feste Regeln? Die Suche nach einem Optimum zwischen einer zeitaufwändigen risikobasierten Einzelfallbewertung mit der Möglichkeit von Willkür und einer effizienten Richtlinie, die möglicherweise zu grobmaschig ist.
- Ausschluss vermeiden. Vermeidung von Diskriminierung und Stigmatisierung. Wissenssicherheit betrifft Risiken in einer Kooperation, nicht die Herkunft einer Person, aber der Fokus liegt logischerweise doch auf einigen Risikoländern. Dies kann zu Stigmatisierung von Menschen aus diesen Ländern führen.
Was bedeutet das für die nächsten Jahre?
Wir befinden uns offensichtlich in einer neuen Phase. In den ersten Jahren ging es um den Aufbau: Bewusstseinsbildung und Implementierung von Richtlinien. Diese Phase ist größtenteils abgeschlossen. Der nächste Schritt erfordert eine gezieltere Unterstützung, die verschiedenen Arten von Risiken und Einrichtungen gerecht wird. Der Kern bleibt dabei gleich: Wissenssicherheit bedeutet nicht die Wahl zwischen Offenheit und Sicherheit, sondern das sorgfältige Kombinieren beider Aspekte.
