Aufbau von Innovationen im Wassersektor

Die Aufmerksamkeit konzentriert sich oft auf die Energieversorgungssicherheit oder geopolitische Spannungen. Dann haben Wasserfragen eine geringere Priorität auf der Agenda.
Niederlande sind weltweit bekannt als Vorreiter auf dem Gebiet der Wasser- und Deltatechnologie. Gleichzeitig erfordern neue Herausforderungen - wie Wasserqualität, Klimaanpassung, (Trink)wasserverfügbarkeit, PFAS und Genehmigungsverfahren - andere Innovationen. Der niederländische Wassersektor sucht zusammen mit beteiligten Sektoren hart nach Innovationen, die diesen Herausforderungen gerecht werden. Dennoch scheitern viele Innovationen in Pilotprojekten oder kleineren Anwendungen. Der Schritt zu einer breiten Anwendung in der Praxis erweist sich oft als schwierig. Erfolgreiche Skalierung scheint in der Praxis keineswegs selbstverständlich zu sein.

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Das Ministerium für Infrastruktur und Wasserwirtschaft (IenW) ist sich dessen ebenfalls bewusst. Aus diesem Grund haben IenW (Floris den Boer und Isabelle van Elzakker) sowie Forscher von TwynstraGudde und Dialogic nach Wegen gesucht, um Wasserinnovationen erfolgreicher zu skalieren. Sie sprachen mit Innovatoren, Wasserverbänden, Bildungseinrichtungen und Unternehmen über Produkt- und Prozessinnovationen. Dadurch erlangten sie Einblicke in Faktoren, die die Skalierung fördern oder behindern. Die Untersuchung fördert verschiedene Dilemmata zutage. Es fällt auf, dass die größten Herausforderungen für die Skalierung in der Regel nicht technischer Natur sind, sondern sich vielmehr um Eigentümerschaft, Dringlichkeit und die Rolle der Rijksoverheid drehen. Eine der wichtigsten Fragen dreht sich um die Eigentümerschaft. Isabelle van Elzakker: „Viele Innovationen im Wassersektor stammen von dezentralen Parteien. Wer ist dann Eigentümer des Verfahrens? Wer fühlt sich verantwortlich, dass die Innovation breiter umgesetzt werden kann?” Aus der Untersuchung geht hervor, dass Innovationen häufig von einer kleinen Gruppe Vorreiter abhängig bleiben, während erfolgreiche Skalierung klare Regie, Zusammenarbeit und gemeinsame Eigentümerschaft im Wassersektor erfordert. Laut den Forschern erfordert dies unter anderem stärkere Netzwerke, Wissensplattformen und die Verbindung erfahrener Pioniere mit neuen Innovatoren. Darüber hinaus spielt Dringlichkeit eine große Rolle. Floris den Boer: „Man sieht, dass die Aufmerksamkeit in der Praxis oft auf andere dringende Themen wie Energieversorgungssicherheit oder geopolitische Spannungen gerichtet ist. Dann stehen Wasserfragen nicht so hoch auf der Tagesordnung und die gesellschaftliche Aufmerksamkeit für spezifische Innovationen ist nicht selbstverständlich.“ Die Untersuchung zeigt, dass Innovationen schneller skalieren, wenn ein gemeinsames Gefühl der Dringlichkeit entsteht und gesellschaftliche Herausforderungen gemeinsam priorisiert werden. Eine klare gemeinsame Innovationsagenda mit klarem Fokus und Prioritäten trägt dazu bei. Auch die Rolle der Regierung erweist sich als fortwährende Suche. Floris den Boer: „Einerseits hat die Rijksoverheid – insbesondere bei Wasserinnovationen – eine fördernde und regulierende Rolle. Andererseits sind wir überzeugt, dass wir diese Prozesse zusammen mit dem gesamten Sektor angehen müssen. Bildungseinrichtungen, Wasserverbände, Unternehmen und Regierungen haben alle eine Rolle zu spielen. Wie stellen wir sicher, dass wir gemeinsam daran arbeiten?“ Laut den Forschern besteht die Rolle der Regierung daher nicht nur in der Finanzierung oder Regulierung, sondern gerade auch darin, Ausschreibungen klug zu nutzen, Experimentierräume in großen Durchführungsprogrammen zu schaffen und die Zusammenarbeit und Skalierung im Sektor und darüber hinaus zu erleichtern. Dabei kann die Regierung helfen, indem sie Parteien, die gemeinsam an Wasserfragen arbeiten, zusammenbringt und Innovationen aktiv in Politik, Einkauf und Genehmigungsverfahren einbezieht. Die Forscher von TwynstraGudde und Dialogic ziehen gemeinsam mit IenW eine Bilanz über eine relevante Studie und wertvolle neue Einsichten. Die Suche nach der Skalierung von Innovationen geht unvermindert weiter. Nur wenn Innovationen tatsächlich angewendet werden, behält die Niederlande ein nachhaltiges und sicheres Wasser- und Bodensystem, das Überflutungen und Dürre standhält. So bleibt die Niederlande mit ausreichend Wasser von angemessener Qualität versorgt, am richtigen Ort, und es entstehen Möglichkeiten für niederländische Wasserunternehmen und Bildungseinrichtungen, ihre Innovationen weltweit anzuwenden und zu exportieren. Die Ratschläge in der Studie sind strukturiert anhand des TransMissie-Rahmens. Basierend auf diesem Rahmen hat die AWTI bereits zuvor einen Ratgeber über transformatives Innovationspolitik und die entsprechenden politischen Maßnahmen verfasst.