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Was war der Anlass für die Untersuchung?
Der Anlass für die Untersuchung war ein Bericht der Jungen Akademie, in dem argumentiert wurde, dass die Länge und Struktur des akademischen Jahres in den Niederlanden zu hoher Arbeitsbelastung bei Studenten und Dozenten führen. In Zusammenarbeit mit Oberon und Cheps wurden wir beauftragt zu untersuchen, ob das akademische Jahr in den Niederlanden tatsächlich länger und intensiver ist als in anderen Ländern und ob dies mit der hohen Arbeits- und Lernbelastung zusammenhängt. Uns wurde auch die Frage gestellt, ob wir eine Art 'Blaupause' für ein intelligenteres akademisches Jahr erstellen könnten.
Wie habt ihr die Untersuchung durchgeführt?
Wir haben fünf niederländische Studiengänge an fünf verschiedenen Universitäten ausgewählt: Biomedical Sciences, Electrical Engineering, Geschichte, Psychologie und Chemie. Wir haben bewusst eine Mischung aus Geistes-, Natur- und Medizinwissenschaften gewählt, um typische Unterschiede zwischen den Studiengängen wie die Anzahl der Kontaktstunden und die Art der Prüfungen zu berücksichtigen. Anschließend haben wir fünf europäische Universitäten ausgewählt, die den niederländischen Universitäten ähnlich sind und einige dieser Studiengänge anbieten. Auf diese Weise konnten wir jeden niederländischen Studiengang mit den drei ausländischen Varianten vergleichen.
Dieser Vergleich wurde auf der Grundlage öffentlicher Quellen (zum Beispiel akademische Kalender, Studiengangswebsites, etc.) sowie Interviews mit Vertretern der Studiengänge durchgeführt. Die Kombination aus der 'Papierrealität' und den Interviews war für uns sehr wichtig. Die Interviews ermöglichten uns, bestimmte Aspekte zu vertiefen, die nicht in öffentlichen Quellen enthalten sind, und zeigten auch, wo sich Praxis und Theorie unterscheiden. Zum Beispiel haben wir herausgefunden, dass der formell festgelegte Zeitaufwand oft erheblich höher ist als die tatsächlich aufgewendete Zeit, insbesondere im Ausland.
Was waren die bemerkenswerten Ergebnisse?
Die Untersuchung bestätigt die Aussage der Jungen Akademie, dass das niederländische Studienjahr lang und anspruchsvoll ist. Dies wird im unten stehenden Diagramm sehr gut dargestellt. Alle untersuchten niederländischen Studiengänge haben ein längeres akademisches Jahr als ihre ausländischen Pendants. Ein auffälliger Unterschied ist, dass niederländische Studiengänge als einzige ein System mit mindestens vier Blöcken verwenden, während die anderen Einrichtungen ein Zwei-Blöcke-System anwenden. Dies führt zu deutlich mehr Prüfungsterminen für niederländische Studenten. Darüber hinaus fiel der Unterschied im Umgang mit Wiederholungsprüfungen auf: Niederländische Studiengänge bieten wesentlich mehr Wiederholungstermine an als ihre ausländischen Pendants. Ausländische Einrichtungen beschränken Wiederholungsprüfungen im Allgemeinen auf einen Termin pro Jahr.
Wir sehen also, dass in den Niederlanden ein längeres Studienjahr mit mehr Prüfungsmöglichkeiten existiert. Es ist jedoch schwierig, dies direkt mit einer höheren Arbeits- und Lernbelastung in Verbindung zu bringen. Wir stellen fest, dass dieser Druck auch bei ausländischen Studiengängen existiert. Der „Kontext“ eines Landes oder einer Einrichtung ist ebenfalls ein wichtiger Faktor. Müssen die Studenten einen Nebenjob haben, um über die Runden zu kommen? Stehen die Dozenten unter großem Druck durch Forschungsaufgaben? Unser Vergleich konnte daher keine Aussagen darüber treffen, wie das 'ideale' Studienjahr aussehen sollte. Wir haben jedoch einige Hebel identifiziert, an denen gedreht werden kann.
Ihr habt einige Empfehlungen abgegeben. Welche fanden Sie am interessantesten?
Zur Verringerung der Arbeitsbelastung kann es notwendig sein, Entscheidungen zu treffen, die aus pädagogisch-didaktischer Sicht suboptimal sind.
Es existiert manchmal ein Gleichgewicht zwischen Arbeits- und Lernbelastung und pädagogisch-didaktischer Leistung. In der Studie wurde das häufige Prüfen in den Niederlanden oft als Grund für hohe Arbeits- und Lernbelastung genannt. Es erzeugt eine Art 'Hetztätigkeit' bei den Studierenden und erfordert viel Korrekturaufwand von den Dozenten. Wir wissen jedoch aus Studien, dass kontinuierliche Prüfungen bessere Lernleistungen erbringen als eine Prüfung am Ende eines langen Semesters. Das gleiche gilt für die Länge des Studienjahres. Eine mögliche Verkürzung geht zu Lasten des Lehrmaterials. Hier gibt es also ein wichtiges Abwägen, über das die Studiengänge letztendlich eine gut durchdachte Entscheidung treffen müssen.
Mehr Informationen zur Studie finden Sie im Bericht hier.